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Achtsamkeit - "weich und widerlich"?


Ein renommiertes deutsches Nachrichtenmagazin hat unlängst in einer Kolumne die Achtsamkeit apostrophiert mit: “Dieses weiche, widerliche Wort”.

Etwas ist ja daran: Unreflektiert dahingesagte Modeworte können nerven. In den 70er-Jahren hat einen die “Betroffenheit” so betroffen gemacht, dass man sie betroffen nicht mehr in den Mund nehmen konnte. Andererseits: Achtsamkeit – das ist eine aktuelle Wortschöpfung, hinter der existenzielle Anliegen stecken: Das Anliegen, dass Menschen mit sich selbst achtsam umgehen, statt sich auszubeuten und atemlos zu sein.

Eine selbstbezogene Achtsamkeit – wie sie in vielen aktuellen Büchern, Programmangeboten und Kursen derzeit propagiert wird – wäre dabei wiederum ein Trend, ein Trend der falsch verstandenen Selbstverwirklichung.

Achtsamkeit gegenüber anderen, gegenüber der nachwachsenden Generation, gegenüber unserer Erde – das macht weit. Achtsamkeit findet damit einen positiven Anschluss an das vorletzte Modewort “Nachhaltigkeit”.

Die Sprache jener Kolumne zeigt übrigens, wie nötig Achtsamkeit wäre.