„... dass wir unsere Persönlichkeit kaum über das Denken allein weiterentwickeln können“
Gerhard Roth galt als einer der wichtigsten Neurowissenschaftler Deutschlands. Er war einer, der Brücken zwischen Wissenschaft und Praxis zu schlagen wusste. Er war mit der Weiterbildungsbranche sehr verbunden. 2023 ist er im Alter von 80 Jahren gestorben.
Eine der Erkenntnisse von Roth ist für unsere Arbeit im Bereich Weiterbildung, Coaching, Organisationsentwicklung von großer Bedeutung: Menschen sind schwer veränderbar: „Relevant für die Weiterbildungspraxis ist nicht zuletzt Roths Erkenntnis, dass biologische Prozesse schon sehr früh im Leben eines Menschen dessen Persönlichkeit formen, dass die Formbarkeit unserer Persönlichkeit mit den Jahren abnimmt und auch, dass wir unsere Persönlichkeit kaum über das Denken allein weiterentwickeln können.“
Bei den Petersberger Trainingstagen 2019 sprach Roth von der „Tragik unseres Verstandes“: Wollen wir uns allein ausgehend von der Verstandesebene ändern, dann gelingt uns das meist nicht. Denn unsere Persönlichkeit arbeitet gegen uns. Diese Persönlichkeit ist tief in Hirnregionen verankert, zu denen es von der kognitiv-sprachlichen Oberfläche unseres Großhirns aus überhaupt keine anatomische Verbindung gibt. Wir haben deshalb auch keinen direkten Zugriff darauf.
Das könnte uns deprimieren. Allerdings lieferte die Forschung von Roth auch Anregungen, wie persönlich Veränderung bei aller Schwierigkeit dennoch gelingen kann.
Entscheidend sei (Roth in einem Interview mit Nicole Bußmann im Herbst 2018), dass sich ein Mensch auf einer tiefen Ebene selbst verändern wolle und das sei dann der Fall, wenn sein Gehirn zu dem Schluss kommt, dass durch die Veränderung sehr wahrscheinlich ein persönliches Motiv befriedigt wird. Das Gehirn schüttet dann sogenannte endogene Opioide (Belohnungsstoffe) aus. Auf Dauer zähle jedoch die „intrinsische Belohnung“. Sie entsteht daraus, dass eine Aufgabe langfristig zur Persönlichkeit eines Menschen passt bzw. auf dessen intrinsische Motive anspricht.
Aus unserer Sicht: Wir landen hier bei dem Motiv- und Motivationskonzept, das wir in unseren Kursen vermitteln:
- die Betonung der primär (intrinsischen) Motivation gegenüber der sekundär (extrinsischen) Motivation (Belohnung Systeme …)
- den fünf grundsätzlichen Motiven (die letztlich auf Abraham Maslow zurückgehen)
- das Verständnis von Motivation, indem äußere Anregungen auf die in einer Persönlichkeit vorhandenen, in der Sozialisation vermittelten, Motive ansprechen.
(Basis: „Zum Tod von Hirnforscher Gerhard Roth - brillianter Brückenbauer“ in managerSeminare Heft 3003, S. 14 – 15)